Mittlerweile sind die Schwulen schwer im Kommen und paradoxerweise hat sich Aids, das sie anfänglich in ein Ghetto zu drängen drohte, zum Mittel gesellschaftlicher Achtung statt Ächtung entwickelt: Schwule leben auf der Rasierklinge, der Tod nur einen Fehltritt entfernt, sind Experten in der gefürchtetsten Seuche dieses ausgehenden Jahrtausends, werden so zu Anwälten für das Leben und zu potentiellen Rettern der Heteros, die noch nicht in gleichem Masse vom Beelzebub verfolgt werden.
Die Zeiten, wo Schwule sich ein Leben lang hinter einer Fassade guter Bürgerlichkeit verstecken mußten und an ihrer Veranlagung litten, sind vorbei. Stattdessen verstehen sie ihre Stellung nun politisch, kämpfen in Paraden für ihre Rechte und stoßen bei den Medien auf offene Ohren und Arme. Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Welt, in der er lebt ein Satz, der heute, trotz Aids oder wegen Aids seinen Gehalt verloren hat: Niemand ist pervers, alles ist erlaubt, Schwulsein ist schick, weil man damit anders ist und nicht fürchten muß, im bürgerlichen Mief von Kinder, Katze, Küche, Kirche zu versauern.
Das Pendel hat also mächtig zurückgeschlagen ein guter Anfang, um langsam in der goldenen Mitte zum Stillstand zu kommen, da wo nüchterne Betrachtung aufgewühlte Emotionen und Hetztiraden ersetzt. Warum ist jemand homosexuell? Die Medizin weiß bis heute keine Antwort. Solange sie im Feststofflichen verhaftet bleibt, wird sie sie auch nicht finden können, denn der Schwule, die Lesbe sind so, wie sie sind, weil sie früher anders waren als heute. Konkret: Im Laufe ihrer langen Kette von Inkarnationen erreicht eine Seele einmal einen Reifegrad', der ihr nahelegt, einmal die Erfahrung der Andersgeschlechtlichkeit zu machen. Ein männlicher Lebensstrom verkörpert sich also als Frau, ein weiblicher Lebensstrom als Mann. Das Ziel ist, die Erfahrungen des anderen Geschlechts zu machen und ins eigene Wesen zu integrieren. Ein richtiger' Schwuler hat deshalb oft deutlich erkennbare feminine Komponenten in seinem Wesen, eine richtige' Lesbe eine spürbar männliche Einfärbung, und meist handelt es sich um bereits weit entwickelte, verfeinerte Lebensströme, da eine unentwickelte Seele sich in der Regel nicht im anderen Geschlecht inkarnieren darf.
Als Ausgleich zur andersartigen Polarisierung des Lebensstroms sind Homosexuelle oft Linkshänder. Überhaupt deutet Linkshändigkeit darauf hin, daß ein Lebensstrom sich im anderen als seinem angestammten Geschlecht befindet. Diese Linkshändigkeit führt dazu, daß besonders Schwule oft erstaunliche schöpferische Fähigkeiten haben: Ihre ausführende Hand ist mit der kreativen rechten Gehirnhälfte verbunden; sie geben vorzügliche Maler, Modeschöpfer, Designer ab.
Erschrecken Sie nun nicht, wenn Ihre Frau, Ihr Mann Linkshänder ist: Die Tatsache, daß ein Lebensstrom sich für ein oder mehrere Leben im anderen Geschlecht verkörpert, bedeutet allein noch nicht, daß er einen Hang zur Homosexualität haben muß. Dafür sind seine Prägungen aus früheren Leben verantwortlich: Lebte jemand sehr sexuelle Leben, sind die Triebkräfte in ihm/ihr also besonders ausgeprägt, dann ist nur natürlich, daß diese Prägung sich auch im jetzigen Leben bemerkbar macht: Ein Mann, der eigentlich eine Frau ist, fühlt sich noch immer stark zu Männern hingezogen; eine Frau, die eigentlich ein Mann ist, steht noch immer auf Frauen: Sie empfinden homosexuell, also gleichgeschlechtlich.
Und was ist mit den männlich wirkenden Schwulen, den weiblich wirkenden Lesben? Sie könnten gerade andersgeschlechtliche Verkörperungen hinter sich haben, sich nun erstmals wieder im eigenen Geschlecht inkarnieren und aus diesen anderen Erfahrungen noch die Neigung zum gleichen' Geschlecht mitbringen: Ein im Grunde weiblicher Lebensstrom lebt mehrere Leben als Mann, liebt als solcher heftig die Frauen, kommt nun wieder als Frau auf die Welt und fühlt sich noch immer zu Frauen hingezogen oder, bei den Schwulen, umgekehrt.
In Zeiten, wo Homosexualität gesellschaftlich stigmatisiert war, trat sie seltener auf, weil viele nicht im gesellschaftlichen Ghetto leben wollten. Heute werden viele verleitet, eine homosexuelle Lebensweise zu wählen, die in einer restriktiveren Zeit auch mit einem andersgeschlechtlichen Partner hätten glücklich werden können. In unserer Zeit indes wird sexuelle Befriedigung als eines der absoluten Grundrechte des Menschen angesehen; und viele Partnerschaften werden vorwiegend aus sexueller Anziehung geschlossen und nicht aus sonstiger Sympathie.
Die gesellschaftliche Haltung trägt viel zum Entstehen sexueller Vorlieben bei. Daß dem so ist, zeigt das Beispiel der alten Griechen, wo die pädophile, homosexuelle Liebe zwischen Lehrer und Schüler als das höchste Liebesideal galt und entsprechend offen, häufig und stolz praktiziert wurde. Man stelle sich vor, was heute geschähe, würde bekannt, daß ein 50jähriger Lehrer mit seinem 12jährigen Schüler homosexuelle Beziehungen unterhält! Bereits mit 14 Jahren galten die griechischen Knaben aber als eigentlich zu alt für eine wirklich erhabene romantisch-sexuelle Beziehung, die allseitige Bewunderung verdiente.
Gegen gleichgeschlechtliche Liebe ist nichts einzuwenden. Wo allerdings die Sexualität hinzukommt, wird der Geist aus der Flasche gelassen'. Gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen bergen ein Potential, von dem die Praktizierenden nichts wissen und das sie oft in einen Strudel reißt, den sie schließlich nicht mehr kontrollieren können noch wollen manchmal bis zum elenden Ende. Wann immer zwei Menschen sich geschlechtlich vereinigen, entsteht dabei eine sehr starke Energie. Kommen ein Mann und ein Frau zusammen, vereinigen sich dabei die positive männliche mit der negativen weiblichen Energie ein rundes Ganzes' entsteht, eine Energie, die sich in sich selbst erlöst und aufhebt eine Art vollständiger Oktave, wo erst die Spannung eine Septime lange aufgebaut wird und sich schließlich im Oktavton entlädt.
Vereinigen sich zwei Männer oder zwei Frauen im geschlechtlichen Akt, produzieren sie dabei ein Potential gleichgepolter Energie: Bei Schwulen zweimal positiv gepolte, bei Lesben zweimal negativ gepolte. Für diese auf der physischen Ebene produzierte Energie ist die Erscheinung und Geschlechtlichkeit des physischen Körpers zuständig, nicht die ursprüngliche Geschlechtlichkeit eines Lebensstroms. Was also geschieht: Zwei gleiche Pole' kommen zusammen, produzieren sexuelle Energie gleicher Art die sich nicht aufhebt, nicht erlöst, sondern im Äther verbleibt. Man könnte es mit einer Septime erklären, die sich nicht in der Oktave entspannen darf. (Singen Sie einmal Do-Re-Mi-Fa-So-La-Ti ohne das erlösende Do!)
Diese aufgeputschte Energie wird nun zum Begleiter des Homosexuellen und beeinflußt seine Gefühle. Sie ist wie ein Kitzler, der seine sexuelle Lust beständig anstachelt, die Erlösung in der aufhebenden, anders gepolten Energie suchend. Der Homosexuelle begibt sich also in eine Art Wirbelsturm der Triebkräfte, der immer stärker braust und ihn immer mehr umtreibt: Das Maß der sexuellen Stimulierung soll an Häufigkeit und Reiz stetig zunehmen, weil nur die Steigerung Linderung verheißt was sich aber als Trugschluß herausstellt, da in der gleichgepolten Energie nicht die Erlösung liegen kann selbst wenn der Orgasmus es so aussehen lassen mag, als wäre die Begierde gestillt.
Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Energie, die er unwissentlich erschafft und die ihn in vielen Fällen in eine Lebensweise treibt, die schließlich wirklich in der Perversion endet einer Perversion übersteigerter und unersättlicher Begierde, die nur im Tod dem heute oft allzufrühen mehr ein Ende findet.
U. S.-S.