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Zucker:
Der Mangel macht die Krankheit!
Was
wie ein provozierendes Paradoxon klingt, ist trotzdem wahr,
denn Zucker ist nicht gleich Zucker. The World Foundation
for Natural Science hat Forschungen durchgeführt, welche
auf Zusammenhänge hinweisen, die eine völlig neue Betrachtung
der Zuckerkrankheit nötig machen.
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Von Sven-Peter Moritz, praktischer
Arzt
Ergeben und wie von einem Schicksalsschlag getroffen
leben in Deutschland ca. 5,75 Millionen Menschen mit
der Diagnose Diabetes. In der Schweiz schätzt man
die Zahl der Diabeteskranken auf 250- bis 350'000.
Oft tröstet der Arzt den ‚neuen Diabetiker' mit den
Worten: "Sie haben es vielleicht gar nicht bemerkt"
- als wäre Diabetes ein zufälliges und unvermeidbares
Schicksal, das nun leider eben bei einem selbst zugeschlagen
hat.
Stillschweigend akzeptieren viele Menschen diese Diagnose,
und schon in ihrer Wortwahl ("Mein Diabetes") versteckt
sich der zweite Schritt: die langsame Identifikation
mit allem, was heute mit dieser Krankheit verbunden
wird. Nahezu unmerklich verändert sich unsere gewohnte
Lebenswahrnehmung. Der bisherige Bezugsrahmen stimmt
nicht mehr und es scheint, als müßten wir das gesamte
Leben ‚neu erfinden'.
Dabei sind die Erkenntnisse, auf welchen unsere Medizin
die Behandlung des Diabetes aufbaut, noch gar nicht
so alt. Vor weniger als hundert Jahren (im Jahre 1908)
entwickelte der deutsche Wissenschaftler Georg Zuelzer
den ersten "injizierbaren Pankreas-Extrakt zur Behandlung
der Glucosurie" (übermäßiger Zucker im Urin). Aufgrund
der erheblichen Nebenwirkungen setzte sich diese Behandlung
noch nicht durch.
Erst die Arbeiten des jungen kanadischen Arztes Frederick
Banting und seiner Kollegen Charles Best und James
Collip führten dazu, daß im Sommer 1921 das erste
Insulin isoliert und an Hunden erfolgreich ausprobiert
wurde. Collip war es auch, der am 23. Januar 1922
zum ersten Mal einem Menschen Insulin spritzte. Der
14-jährige Leonard Thompson aus Toronto sollte damit
bis zum Februar des darauffolgenden Jahres überleben.
Man feierte die erste erfolgreiche Behandlung eines
Diabetesfalles, und die beteiligten Wissenschaftler
wurden noch im gleichen Jahr mit dem Nobelpreis in
Physiologie und Medizin belohnt. Seit dieser Zeit
gilt die Krankheit Diabetes mellitus als
gelöst. In der Folge hatte jeder Diabetiker, der mit
tierischem Insulin behandelt wurde, einen jährlichen
Bedarf von bis zu hundert Bauchspeicheldrüsen von
Schweinen. Im Jahr 1982 wurde Insulin dann in den
USA als erstes gentechnisch produziertes Medikament
zugelassen. So konnte man den mengenmäßig nicht mehr
aufzubringenden Bedarf an Tierorganen umgehen. Seit
Ende der 90er Jahre wird Insulin auch in Deutschland
gentechnologisch produziert. Weltweit gibt es heute
kaum noch tierisches Insulin auf dem Markt.
Der Standpunkt ist
entscheidend
Der Insulinmangel des Körpers wurde zum heutigen Paradigma
der Diabetes-Behandlung. Dabei ist die Symptomatik,
welche wir unter dem Begriff ‚Diabetes' zusammenfassen,
schon sehr lange bekannt: 1552 v. Chr. findet sich
die erste bekannte Beschreibung von Diabetes auf einem
Papyrus des ägyptischen Arztes Hesy-Ra. Dieser hatte
die Polyurie (das häufige Wasserlassen) als Symptom
beschrieben.
Auch in China wurde Diabetes schon 752 n. Chr. offiziell
im Medizinklassiker des Chinesen Wang Shou - Eine
Sammlung von Krankheiten - beschrieben. Bis ins
19. Jahrhundert konzentrierte sich die Medizin auf
den Nachweis des Zuckers im Urin. Als Behandlungsform
empfahl der französische Arzt Priorry beispielsweise
extra große Zuckerportionen; andere Ärzte rieten hingegen,
zur Vermeidung übermäßigen Zuckerkonsums zu hungern.
Bei allen Beschreibungen der Symptome finden wir jedoch
die Polyurie, das häufige Urinieren. Dieses Symptom
steht dafür, daß der Körper über die Nieren vermehrt
Harn ausscheidet. Die Nieren mit ihrer Reinigungsfunktion
müssen vermehrt Flüssigkeit abgeben, wenn bestimmte
Stoffe aus dem Körper entfernt werden sollen. Die
so gelösten Stoffe werden nämlich mit dem Wasser ausgeschieden.
Aus der Sicht des Körpers
gibt es hierfür zwei gute Gründe:
-
Der betreffende
Stoff ist für den Körper nicht geeignet - also ein
Gift - und wird daher auf dem schnellsten Wege ausgeschieden.
-
Der Körper
ist aufgrund eines fehlenden Erkennungssystems nicht
in der Lage, einen eigentlich wichtigen Stoff aufzunehmen
oder zu halten.
-
Das fehlende
Insulin steht mit dem fehlenden Erkennungssystem
in Zusammenhang.
Von einem körperlichen Standpunkt
aus betrachtet, stellt sich ein neuer Aspekt dar:
Wenn wir nach der tieferen Ursache für Diabetes
mellitus Typ I suchen, müssen wir also diese Unfähigkeit
des Körpers, einen wichtigen Stoff zu erkennen, näher
untersuchen. Aus der Naturheilkunde wissen wir, daß
die Unterscheidungsfähigkeit des Körpers wesentlich
mit seiner Immunkompetenz zusammenhängt. Dies verweist
direkt zu den Krankheiten des allergischen Formenkreises.
Eine solche Sichtweise deckt sich mit den heutigen
Erkenntnissen, die den Diabetes Typ I im weitesten
Sinne dem autoallergischen Formenkreis zuordnen.
Die Ursachen dieser Krankheit sind vielfältig. Dazu
gehören sicherlich die künstlichen Süßstoffe genauso
wie andere synthetische Nahrungszusätze. Auch die
vielfältigen Streßfaktoren unseres heutigen Lebens
sind solche Auslöser von Krankheiten, die wenig mit
körperlichen Defiziten zu tun haben. Wir nutzen Technologien,
welche das Immunsystem bis über seine Grenzen belasten.
Unser Immunsystem muß also mit einer noch nie dagewesenen
Flut von Reizen und Veränderungen umgehen. Es ist
mit zunehmend unnatürlichen Substanzen konfrontiert,
welche für unser Immunsystem nicht unbedingt erkennbar
sind. Auch die Folgen von Virus-Erkrankungen sind
hier zuzuordnen. Seit vielen Jahren bemerken wir deshalb
eine Zunahme jener Krankheiten, die in einem gesunden
körperlichen Gleichgewicht durch ein funktionierendes
Immunsystem gelöst würden, ohne daß die auslösenden
Ursachen überhaupt nur in unser Bewußtsein dringen.
Das Immunsystem ist jedoch auf verschiedene funktionierende
Zusammenhänge angewiesen. So bedarf es ausreichender
Spurenelemente, genügend Wasser und einem funktionierenden
Flüssigkeitsaustausch zwischen den intra- und extrazellulären
Gebieten. Gewisse Bereiche im Körper müssen geschützt
werden (z.B. durch die sogenannte Blut- Hirnschranke)
und ausreichende Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb
des Körpers vorhanden sein.
Das Immunsystem
wird durch ständige Belastungen des Körpers geschwächt.
Bekannte Faktoren sind:
-
nicht ausgeheilte
Entzündungen (z.B. Foci in Zahnwurzeln),
-
Belastung
mit Pestiziden,
-
Belastung
mit Luftveränderungen (Arbeitsplatzbelastungen,
Staub, Ozon),
-
mangelnde
Frischluft,
-
Bewegungsmangel,
-
ionisierende
Strahlungen (Handy, Fernsehen),
-
Nahrungsdenaturierung
(extrem stark durch Mikrowellenherde).
Mit über 90 Prozent finden wir
heute jedoch den sogenannten Typ II-Diabetiker als
die weitaus größte Gruppe der an Diabetes Mellitus
Erkrankten. Bei dieser Erkrankungsform besteht eine
ausreichende Insulinproduktion bei stark herabgesetzter
Insulinwirkung.
Ein weltweites Problem
Diabetes Mellitus ist zu einer der größten
Zivilisationskrankheiten geworden. Die Statistiken
der Weltgesundheitsorganisation WHO nennen für das
Jahr 1995 weltweit 135 Millionen diagnostizierte Diabetiker.
Schätzungen gehen davon aus, daß in diesen Statistiken
nur die Hälfte, möglicherweise sogar nur ein Viertel
der tatsächlichen Krankheitsfälle erfaßt sind. Bis
zum Jahr 2025 schätzt die WHO weltweit über 300 Millionen
Erkrankte.
Die europäische Code-2© - Studie hat allein für Deutschland
hochgerechnet, wie viele durch Diabetes verursachte
Gesundheitskosten im Jahr 1998 entstanden sind: 16
Milliarden Euro. Hiervon sind 9,45 Milliarden Euro
direkte Krankheitskosten, getragen von den Versicherten
der Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Die
Kosten steigen mit zunehmenden Krankheitsschäden rapide
an. So wurden für einen‚ einfachen Diabetes-Patienten'
jährliche Kosten von 1'723 Euro errechnet. Diese jährlichen
Kosten steigen bei einem ‚komplizierten' Patienten
mit Gefäßschäden auf 5'642 Euro an.
Angesichts dieser ökonomisch fast untragbaren Situation
kommt momentan neue Bewegung in die ‚Diabetes-Landschaft'.
In vielen Ländern setzt man die Empfehlungen der European
Diabetes Policy Group als Grundlage der Behandlungsstrategien
um. Milliardenbeträge werden in gentechnologische
Forschungen für neue Medikamente gegen die Krankheit
investiert. Und die Werbung wird nicht müde, immer
neue Produkte als Weg aus dem Unglück anzupreisen.
Es ist nicht der
Zucker, der tötet
Zucker ist verantwortlich für die Kommunikation zwischen
den Körperzellen. Sogenannte Polysacharide (große
Zuckermoleküle) finden sich auf allen Zelloberflächen.
Die Bedeutung dieser Strukturen wird daran deutlich,
daß sich ein ganz neuer Wissenschaftszweig ausschließlich
deren Erforschung widmet: die Glucosciences.
Wir alle kennen Zucker (Kohlenhydrate) als Energielieferant
für die Zellen. Als fundamentaler ‚Treibstoff' ist
Zucker für unseren Körper ein unentbehrlicher Stoff.
Doch er ist nicht nur als chemischer Stoff unentbehrlich;
Zucker ist auch als Qualität für unser Leben unentbehrlich.
Man stelle sich umgangssprachlich nur "ein Leben ohne
Süße" vor.
Hierin liegt eines der Geheimnisse zur Veränderung
des Diabetes-Paradigmas:
Nicht der Zucker tötet den Körper, denn unser Körper
benötigt die Qualität 'Zucker' zum Antrieb
der Zellen und als Basis der Kommunikation.
Wieso also leiden so viele Menschen an Diabetes, und
wo finden wir eine Ursache, die über die rein körperliche
Unfähigkeit des Umgangs mit Zucker hinausgeht?
Erlauben Sie mir einen kurzen Exkurs zu den grundlegenden
Strukturen unserer Körper. Wir finden bei vielen körperlichen
Regelprozessen zwei gegenläufige Hormone, die zusammen
das Gleichgewicht aufrechterhalten. In diesem Sinne
wird der Zuckerstoffwechsel durch Insulin und Glukagon
geregelt. Da der Zucker ein sehr vertrauter Stoff
für unseren Körper ist, gibt es keinen Grund zur Annahme,
daß unser Körper damit nicht umgehen könnte. Erst
bei deutlich überhöhten Werten beginnt der Körper,
Zucker über die Nieren auszuscheiden. Es entsteht
die beim Diabetes Mellitus beschriebene Polyurie
(häufiger Harndrang!). Diese Ausscheidung eines übermäßigen
und damit schädlichen Stoffes ist eine normale körperliche
Reaktion, die nicht auf Zucker beschränkt ist. Wir
können hier eine grundsätzliche Fähigkeit des Körpers
erkennen, die weit über die Problematik einer Krankheit
hinausreicht. Als intelligente Wesen sind unsere Körper
in der Lage, harmonische Gleichgewichtszustände aktiv
aufrecht zu erhalten. Sind wir bereit, diesen Standpunkt
einzunehmen, nähern wir uns der eigentlichen Antwort,
weshalb heute so viele Menschen unter den Symptomen
eines Diabetes mellitus leiden.
Wäre es möglich, daß unsere Körper
auch in dieser Situation als intelligente Wesen reagieren,
und wir die Ursache der Diabetes-Symptome nicht auf
die uns vertraut gewordene Art deuten dürfen?
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Hier gelangen Sie zur Artikelübersicht der Ausgabe 41.
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2004 ZeitenSchrift
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